
Eines Tages war es soweit: Bereits 1981 habe ich beschlossen, dem
schnöden Mammon hinterher zu jagen.
Dank Schroeder's tatkräftiger Unterstützung war ich nun in der
glücklichen Lage, die Schule verlassen und mit der Ausbildung
beginnen zu können. Aber was war am gescheitesten? Geld sollte dabei
rumkommen und vor allem sollte die Arbeit Spaß machen. Schließlich
war ich erst 17 Jahre alt und hatte zumindest 48 Arbeitsjahre vor
mir.
Ich folgte also dem wohlgemeinten Rat meiner Eltern (die streiten
das heute vehement ab) und wurde Speditionskaufmann. Möbelschlepper,
wie meine Kumpels damals sagten, die sich noch einige laue Jahre auf
dem Gymnasium und später auf der UNI machten.
Am ersten August 1981 begann ich die Ausbildung bei der schon damals
legendären NELKE Spedition, nachdem ich den Eignungstest auf
wundersame Weise wohl doch bestanden hatte. Wundersam deswegen, weil
ich steif und fest behauptet hatte, dass 1000 KG Blei schwerer sind
als 1000 KG Federn...
Vielleicht war auch einfach nur Mitleid der Grund dafür.
Zunächst ließ sich alles ganz locker an. Spaß hat es jede Menge
gemacht, vor allem auch nach Feierabend, beim Feierabend-Bier im
legendären (alten) George V mit Archie, Achim und Scooter; beim
Freibiertrinken in der hannoverschen Altstadt mit Scooter...
... oder auch bei der traditionellen Weihnachtsmarktbegehung mit den
anderen Auszubildenden.
- 1982 -
Damals noch mit Minipli und von Frauen ungarnt
Nur mit dem Geld - das passte
nicht. Die erste Abrechnung der "Ausbildungsbeihilfe" schlug
mit DM 425,- zu Buche.
Damit war ich Nutznießer einer vorangegangenen Tariferhöhung, die
meine Gage von den vereinbarten DM 405,- um 20,- DM hochschnellen
ließ. Aus lauter Dankbarkeit konnte mich der örtliche
ÖTV-Ortsverband alsbald für ein gutes Jahr sein Mitglied nennen.
Mein ohnehin arg gebeuteltes Girokonto (Nachfolger des bis heute
unvergessenen "Jeans - Sparbuchs" der VoBa's), konnte diese Beträge
kaum verkraften. Zumindest konnte ich nicht feststellen, dass die
Kontoauszüge jemals eine andere Farbe als "Rot" hatten.
Es kam also, wie es kommen
musste: Nachdem ich eingehend Kontakt mit der Ware hatte, sprich:
mein erstes Lehrgeld auf dem Lager verdiente, eine Erfahrung
übrigens, die ich bis heute nicht missen möchte (Danke Frau LT),
machte ich das, was alle Azubis mehr oder weniger häufig machten:
Ablage. Und Kaffee kannenweise aus der Kantine schleppen.
Kaffeemaschinen gab's damals so noch nicht. Das hat mich nachhaltig
geprägt - heute bin ich ein medizinisch anerkannter und bekennender
Kaffeejunkie.
Drei Jahre gingen schnell ins Land. Die Wochenenden fraßen die
spärliche Ausbildungsbeihilfe auf. Wöchentliche exzessive Trinkgelage im
hannöverschen HANNEN-FASS und
PAULANER-KELLER
trugen dazu bei, das sich alle Beteiligten noch heute bei jedem
Treffen gerne an diese Zeit zurückerinnern und sich gegenseitig die
Passagen erzählen, die das eine oder andere malträtierte Hirn schon
damals gelöscht hat.
Seit dem bin ich also Speditionskaufmann aus Berufung. Von Gottes
Gnaden, so zu sagen.
Nachdem ich mein Kaufmannspatent im Frühsommer 1984 in den Händen
hielt, stellte ich mich noch einige Monate in den Dienst der
NELKE-Spedition. Ich hatte sie inzwischen liebgewonnen, so sehr,
dass es mir Leid tat, als ich am 01.10.1984 für einen noch
geringeren Sold in
Munster
anheuerte.
Hier avancierte ich dann schnell zum beliebtesten Panzerfahrer der Kaserne - Ich hatte Liegen im Panzer, eine funktionierende Standheizung und immer frisches Bier.
HANSA-Pils
- von meiner besorgten Mutter jede Woche gekauft. Ich konnte es an
die Bedürftigen verschenken, die nicht ohne konnten. Ich selbst
labte mich an kühlem
Krombacher
und
Curry-Wurst
und legte schnell locker 10 KG zu
15 Monate später: den
tiefen Dank
des Vaterlandes hatte ich ebenso in der Tasche wie die
bescheinigte Gewissheit, einer "ziemlich gute" Führung an den
Tag gelegt zu haben.
Ich war glücklich, bei NELKE
wieder in die Arme der Familie genommen zu werden. Für zwei Jahre.
Dann wurde der Job in der Abfertigung zu dröge und ich beschloss in
die Exportabteilung zu wechseln. Ohne Erfolg.
Erst ein trotziger Abstecher von
6 Monaten zu
Kühne & Nagel
brachte die Wende.
Plötzlich war bei NELKE ein Arbeitsplatz im Export frei. Von nun an
ging es nahezu kometenhaft aufwärts. Als Disponent für Finnland und
Norwegen begann ich meine steile Karriere und beendete sie nach
weiteren zwei Jahren als Gruppenleiter.
Dann folgte ich dem Ruf meines alten Freundes Michael Barkhausen ins westfälische Versmold, bekannt als der "Fettfleck Deutschlands", zur THERMOTRAFFIC.
Vorher allerdings wurde ich noch geheiratet.
Gesucht wurde ein Sammelgut - Disponent für temperaturgeführte
Güter, besonders von und nach England, mit dem ich bis dahin auf
Kriegsfuß stand. Das änderte sich schnell, und so kam es, dass ich
schon nach kurzer Zeit der Herr über drei nagelneue
Doppelstock-Kühlfahrzeuge wurde. Nach den Vorgaben der TTS gebaut.
Ich will mich an dieser Stelle nicht darüber auslassen, wie viel (im
wahrsten Sinne des Wortes) schlaflose Nächte mir diese Autos in den
nächsten Jahren bereiteten. Irgendwas passte immer nicht, am
häufigsten allerdings versagte die Technik. Aber auch hier hat es
riesigen Spaß gemacht. Danke dafür, Michael.
Nach einigen Jahren stand ich dann plötzlich alleine da, ohne Michael. Fast alleine. Dieter war noch da und John. Klaus kam dazu und ging wieder. Mit John bildete ich das "Dreamteam des Kühlgewerbes". Wir waren unschlagbar und verstanden uns blind. Bis auch das zu Ende war. In den folgenden Jahren war ich nahezu die "Eierlegende Wollmilchsau" des Unternehmens. Abteilungsleiter, Verkäufer, Lager-Hilfsarbeiter in Personalunion und auch EDV-mäßig nicht ganz unterbelichtet.
Als außerordentlich geschickt agierender Disponent für Komplett- und Sammelladungen habe ich mich dann selbst zum GroeDispaZ, zum "Größten Disponenten aller Zeiten" gekrönt - in aller Bescheidenheit natürlich. Wenn kein anderer drauf kommt...
Dann kam das schicksalsträchtige Jahr 1998. Wir, seit einigen Jahren
bereits zu viert, beschlossen, dass Papa mehr Zeit für die Familie
haben sollte. Das war bei Thermotraffic dann doch etwas schwierig,
obwohl es wirklich großen Spaß gemacht hat. Also beschlossen wir,
zurück in den Schoss der Familie zu kehren. Zurück nach Lehrte. Es
stellte sich die Frage:
Spedition!
- weil's Spaß macht.
NELKE oder NELKE
HELLMANN hatten bereits
begonnen, in Lehrte ein neues Distributionszentrum zu bauen. Was lag
also näher, als den seit 1990 brachliegenden Kontakt wieder
aufzunehmen und meine Dienste anzubieten. Es passte. Jetzt war ich
also wieder da - zum dritten Mal als "Bumerang der NELKE-Spedition".
"Guten Tag, ich bin der Neue". Meine ersten Worte am 01. Oktober
1998 im Verkauf - " Du hast einen kapitalen Fehler gemacht" meine Gedanken auf
dem Weg dorthin.
Als Außendienstmitarbeiter bereiste ich die Heide, mit dem
nagelneuen Auto schrumpfte ich bereits nach 4 Tagen einen Golf auf
Polo-Größe; als Innendienstleiter scheiterte ich mit dem
Customer Service. Nach einem Jahr hatte ich noch einmal Glück. Im
Export habe ich dann als einer von zwei Abteilungsleitern meine Zelte aufgeschlagen. Endlich wieder
Kontakt mit dem Ausland und der Disposition. Eben als
GroeDispaZ.
Dachte ich...
The Show must go on - And the Show went on.
Ich kam zu dem Schluss, dass die Idee mit dem Schoss der Familie
einfach völlig daneben war. Im Laufe der Zeit verlor ich vollkommen
den Spaß an der Arbeit, die mir immer Freude bereitet hatte und mir
die Motivation für den nächsten Tag schon fast zwangsläufig gab.
Um eines klar und deutlich zu sagen: Ich halte große Stücke auf die
“HELLMÄNNER” - nur sind wir beide nicht für einander
geschaffen.
Erneut stellte ich mir die oben genannte Frage und beantwortete sie
wieder gleichlautend. Allerdings mit der Einschränkung, wieder
international und vor allem in einer Kühlspedition arbeiten zu
wollen. Um ganz sicher zu sein, bewarb ich mich bei einigen
Industrieunternehmen, die mir durch die Bank aber nicht zusagten.
Also entschloss ich mich, mich "blind" zu bewerben. Bei allem was
Rang und Namen hat - immer für den Raum Hannover. Sehr wohl wissend,
dass es in und um Hannover kaum Lebensmittelindustrie gibt, erst
recht keine internationalen Geschäfte in diesem Marktsegment. Recht
schnell bekam ich Post von
FRIGOSTAR und
KRAFTVERKEHR NAGEL (deren Seite ist seit 2000 “under
construction”! ). Während Frigostar noch etwas länger
brauchte, um mich in Hannover unterzubringen und ich zum 5. Mal
(fünf ! ;-)) nicht mit
DACHSER zusammenkam, war ich schnell bei KVN zum ersten
Gespräch. Meine Abneigung gegen den großen Koloss in Versmold machte
ich direkt deutlich. Ich befürchtete bei der Größe des Unternehmens
vom Regen in die Traufe zu kommen. Dennoch gelang es dem
Niederlassungsleiter, mich von der Notwendigkeit zu überzeugen,
erneut nach Versmold zu kommen ;-)
Nun kam das schwerste Stück Arbeit: wie überzeuge ich die Familie,
nach weniger als zwei Jahren schon wieder umzuziehen?
Ganz einfach: - Ich ekle die Nachmieter aus "unserem" Haus in
Bad Laer und erreiche so, dass wir direkt wieder einziehen
können. Das klappt - wetten?
Tatsächlich: Die Möbel passten wie angegossen und auch die Tapeten
hätten wir locker weiterbenutzen können, wenn die Nach-/Vormieter
nicht so furchtbar gequarzt hätten. Die meisten Bohrlöcher und Nägel
waren noch vorhanden, so dass unmittelbar nach der Schlüsselübergabe
das Gefühl aufkam, wir wären nur in einem Urlaub gewesen (wenn nur
die Kosten nicht gewesen wären).
Nachdem die ersten 3, fast 4 Monate ins Land gegangen waren, konnte
ich sagen, dass ich in den letzten 2 Jahren nicht annähernd so viel
Spaß und Freude an der Arbeit hatte, wie zu dem Zeitpunkt. Hier war
ich wieder in meinem Element. Ich kannte das Geschäft, die Kunden,
die Waren, hier hatte ich meine Verbindungen und Kenntnisse - auch
wenn mir zwei Jahre fehlten. Ich hoffte also zutiefst, dass das auch
mein Arbeitgeber so sah, verbunden mit dem Ziel endlich wieder in
ruhiges Fahrwasser zu kommen - auch wenn eines dann nicht mehr
realisierbar war: Ein geregelter und früher Feierabend.
Noch einmal kam es anderes als gedacht. Die Probezeit ist für beide
da. Und da beide nicht 100-%-ig zufrieden waren, habe ich meinen
Schreibtisch wieder ausgeräumt und die Uhr endgültig um 2 Jahre und
3 Monate zurückgestellt.
Jetzt bin ich wieder richtig Zuhause. Bei Thermotraffic. Als GroeDis...... ;-)