
OstseeMan
2011 - Der Rennbericht
Während "Conquest of Paradise" also
Gänsehautstimmung verbreitete, zerrte ich an meinem irgend wie, ich
berichtete bereits, eingelaufenen schwarzen Fetischanzug herum, um
das Ding anzuziehen. Selbst an an den Beinen ist die Pelle ziemlich
eng geworden. Nach geraumer Zeit hatte ich das Teil dann und auch
den Reisverschluss zu bekommen - hier hilft man sich gerne immer
gegenseitig.
Überhaupt ist zu dieser frühen Zeit überall "heile Welt": Man redet
miteinander (oder lässt es, wie ich heute), hilft sich mit
Luftpumpen, nützlichen Tipps, bedauert sich gegenseitig über das wie
immer nicht ausreichende Training und stapelt tief.
Kaum im Wasser ändert sich das schlagartig - im wahrsten Sinne des Wortes. Wenngleich auch in der Regel nicht absichtlich. Später auf dem Rad geht es dann und wann mal etwas rauer zu und spätestens auf der Laufstrecke leidet man wieder kollektiv, um 2 Minuten nach dem Zieleinlauf wieder mit Sonnenbrille ganz locker und drauf zu sein.
Gegen 6:45h wollte ich mich kurz ein wenig nass machen - nicht wirklich einschwimmen, aber doch die Wassertemperatur testen und die Neopren-Innenheizung anschmeißen, da wurden wir schon zurück an den Strand geholt. Ein Ritual bei wohl allen Langdistanzen ist eine kurze Andacht, der hier in Glücksburg ein kurzes Anspielen der Hymnen aller teilnehmenden Nationen folgt.
Nur wenigen Sekunden danach ging's dann auch los.
Locker für mich von weit hinten, hektischer vorne, aber das sollte
mich mich einholen.
Schon kurz nachdem wir keinen Sand mehr unter den
Füßen hatten, ging das Gekloppe beim Umschwimmen der Seebrücke los.
Erschwerend wirkten sich schon jetzt die hohen Wellen aus, die mir
und den meisten anderen fremd waren. Zu diesem Zeitpunkt war es gut,
dass die Wellen und der Wind mehr oder weniger von hinten kamen.
Trotzdem war an einen Rhythmus nicht zu denken. Ein fast permanenter
Wasserball-Kraul kostete schon zu diesem Zeitpunkt viel Kraft.
Die Anstrengung verstärkte sich nach der ersten Wende, als es gegen
den Uhrzeigersinn für eine lange Zeit entgegen den Wind und die
Wellen ging. Manche Berichte über Wellenhöhen von einen Meter
scheinen mir etwas übertrieben zu sein. Der blüsige Wind (den
Ausdruck habe ich während der Transalp von einem Friesen gelernt)
trieb uns aber doch unregelmäßige Wellen und -täler entgegen, sodass
ich oft das Gefühl hatte, kaum vorwärts zu kommen. Regelmäßiges
Atmen war eh unmöglich geworden. Bei mir persönlich litt auch die
Orientierung, so dass ich mich au dieser Tangente des Dreiecks
vollkommen verschwamm und unnötige Zeit verlor.
Während ich zum Ende der ersten von zwei Runden irgendwie hoffte,
dass die Schwimmstrecke aufgrund der Wetterlage verkürzt werden
würde, war das Schwimmen gegen die Wellen im Nachhinein nicht nur
eine Herausforderung, sondern hat zudem noch Spaß gemacht.
Unterwegs habe ich diesmal nur eine (allerdings große) Feuerqualle
gesehen, die glücklicherweise weit unter mir schwamm. Körperkontakt
zu hatte ich nur zu "Normalen".
Nach 1:17:50h h war ich wieder am Strand von
Glücksburg, als 23. meiner Altersklasse. Die 6 Minuten, die ich
länger als 2008 brauchte sind den schlechteren Wetterbedingen
geschuldet und überaus in Ordnung.
Mein Wechselbeutel lag durch die günstige Startnummer gleich am
Anfang einer Kleiderbeutelreihe; das Aufnehmen versachte keinen
Zeitverlust. Dennoch ließ ich es sehr, sehr ruhig angehen nach dem
Schwimmen, und benötigte gute 4:30 Minuten bis ich als dem Büffel
saß.
Hier fühlte ich mich vom ersten Tritt an ausgesprochen wohl. Vermutlich eine Folge dessen, das ich seit der Transalp ausschließlich auf dem Triathlonrad gefahren bin
6 Runden waren zu fahren. Die wellige Strecke mit
vielen kleinen, giftigen Anstiegen bis zu 8% und winkligen Kurven
rissen das Feld immer wieder auseinander. Der Kurs machte es
windschattenwilligen Fahrern schwer bis unmöglich, sich in diesem zu
verstecken.
Die Splits der der ersten 3 Runden waren bei mir sehr konstant,
wurden aber mit zunehmendem Wind und Ermüdung langsamer:
Runde 1 0:51:54 h / 34,4 KM/h
Runde 2 0:50:59 h / 34,8 KM/h
Runde 3 0:50:46 h / 35,0 KM/h
Runde 4 0:52:16 h / 34,1 KM/h
Runde 5 0:53:36 h / 32,9 KM/h
Runde 6 0:56:57 h / 31,3 KM/h
In der letzten Runde ging mir offensichtlich der Sprit aus. Trotz
erhöhter Anstrengung sank der Puls auf ø132 Schläge, während auf den
Runden vorher zwischen 123 und 160 die gesamt Bandbreite und
durchschnittlich über 140 Schläge drin waren. Genau das war mein
Problem schon in Regensburg vor einem Jahr: Die zugeführte Energie
wird vom Köper nicht mehr aufgenommen.
Wie dem aus sei: Nach mehr als zufrieden
stellenden 05:25:47h (offizielle Zeit, inkl. Panne (verklemmte Kette
in Runde 3) und pinkeln (Runde 5)) bzw.06:43:38h insgesamt erreichte
ich als 14. meiner Altersklasse die 2. Wechselzone, die zu diesem
Zeitpunkt noch ziemlich aufgeräumt, will sagen: leer, aussah. Der
Radsplit war die 15.-schnellste Zeit in der AK M 45.
Schon auf der letzten Radrunde machte mir mein Rücken arg zu
schaffen. Immer wieder ging ich aus dem Sattel um den Rücken zu
dehnen. In der Wechselzone ließ ich mir einmal mehr sehr viel Zeit
und haderte hier mir meinem Schicksal. Ich wollte nicht mehr auf die
Marathonstrecke, die ich dann nach 1:07 Minuten doch betrat.
Christine traf ich schon nach rund 100 Metern.
Daumen hoch, nach außen gestellte Schau wider besseren Wissens.
Ich lief gemächlich hinter einem anderen Athleten hinterher. Ca.
5-er-Schnitt. Den hatte ich mir vorgenommen. Halten konnte ich ihn
nicht, Schon bei der ersten Verpflegungsstelle nach 2 KM ging ich
kurz, an der zweiten nach 4 KM blieb ich länger stehen.
Zu den Rückenschmerzen gesellte sich ein sehr unangenehmer und
starker Druck in der Brust. Den kenne ich nur aus
Langdistanzwettkämpfen, nicht aus dem Training. Aber Schlussendlich
war es die Kombination aus beiden, die mich dazu bewegten, nach dem
Empfang des ersten von 5 Rundenbändchen aufzugeben.
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