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OstseeMan 2011 - Der Rennbericht
07.08.2011

Während "Conquest of Paradise" also Gänsehautstimmung verbreitete, zerrte ich an meinem irgend wie, ich berichtete bereits, eingelaufenen schwarzen Fetischanzug herum, um das Ding anzuziehen. Selbst an an den Beinen ist die Pelle ziemlich eng geworden. Nach geraumer Zeit hatte ich das Teil dann und auch den Reisverschluss zu bekommen - hier hilft man sich gerne immer gegenseitig.
Überhaupt ist zu dieser frühen Zeit überall "heile Welt": Man redet miteinander (oder lässt es, wie ich heute), hilft sich mit Luftpumpen, nützlichen Tipps, bedauert sich gegenseitig über das wie immer nicht ausreichende Training und stapelt tief.

Kaum im Wasser ändert sich das schlagartig - im wahrsten Sinne des Wortes. Wenngleich auch in der Regel nicht absichtlich. Später auf dem Rad geht es dann und wann mal etwas rauer zu und spätestens auf der Laufstrecke leidet man wieder kollektiv, um 2 Minuten nach dem Zieleinlauf wieder mit Sonnenbrille ganz locker und drauf zu sein.

Gegen 6:45h wollte ich mich kurz ein wenig nass machen - nicht wirklich einschwimmen, aber doch die Wassertemperatur testen und die Neopren-Innenheizung anschmeißen, da wurden wir schon zurück an den Strand geholt. Ein Ritual bei wohl allen Langdistanzen ist eine kurze Andacht, der hier in Glücksburg ein kurzes Anspielen der Hymnen aller teilnehmenden Nationen folgt.

Schwimmstart   Schwimmstart

Schwimmstart   Schwimmstart

Nur wenigen Sekunden danach ging's dann auch los. Locker für mich von weit hinten, hektischer vorne, aber das sollte mich mich einholen.

Schon kurz nachdem wir keinen Sand mehr unter den Füßen hatten, ging das Gekloppe beim Umschwimmen der Seebrücke los. Erschwerend wirkten sich schon jetzt die hohen Wellen aus, die mir und den meisten anderen fremd waren. Zu diesem Zeitpunkt war es gut, dass die Wellen und der Wind mehr oder weniger von hinten kamen. Trotzdem war an einen Rhythmus nicht zu denken. Ein fast permanenter Wasserball-Kraul kostete schon zu diesem Zeitpunkt viel Kraft.
Die Anstrengung verstärkte sich nach der ersten Wende, als es gegen den Uhrzeigersinn für eine lange Zeit entgegen den Wind und die Wellen ging. Manche Berichte über Wellenhöhen von einen Meter scheinen mir etwas übertrieben zu sein. Der blüsige Wind (den Ausdruck habe ich während der Transalp von einem Friesen gelernt) trieb uns aber doch unregelmäßige Wellen und -täler entgegen, sodass ich oft das Gefühl hatte, kaum vorwärts zu kommen. Regelmäßiges Atmen war eh unmöglich geworden. Bei mir persönlich litt auch die Orientierung, so dass ich mich au dieser Tangente des Dreiecks vollkommen verschwamm und unnötige Zeit verlor.
Während ich zum Ende der ersten von zwei Runden irgendwie hoffte, dass die Schwimmstrecke aufgrund der Wetterlage verkürzt werden würde, war das Schwimmen gegen die Wellen im Nachhinein nicht nur eine Herausforderung, sondern hat zudem noch Spaß gemacht.
Unterwegs habe ich diesmal nur eine (allerdings große) Feuerqualle gesehen, die glücklicherweise weit unter mir schwamm. Körperkontakt zu hatte ich nur zu "Normalen".Schwimmausstieg

Nach 1:17:50h h war ich wieder am Strand von Glücksburg, als 23. meiner Altersklasse. Die 6 Minuten, die ich länger als 2008 brauchte sind den schlechteren Wetterbedingen geschuldet und überaus in Ordnung.

Mein Wechselbeutel lag durch die günstige Startnummer gleich am Anfang einer Kleiderbeutelreihe; das Aufnehmen versachte keinen Zeitverlust. Dennoch ließ ich es sehr, sehr ruhig angehen nach dem Schwimmen, und benötigte gute 4:30 Minuten bis ich als dem Büffel saß.Bike

Hier fühlte ich mich vom ersten Tritt an ausgesprochen wohl. Vermutlich eine Folge dessen, das ich seit der Transalp ausschließlich auf dem Triathlonrad gefahren bin

6 Runden waren zu fahren. Die wellige Strecke mit vielen kleinen, giftigen Anstiegen bis zu 8% und winkligen Kurven rissen das Feld immer wieder auseinander. Der Kurs machte es windschattenwilligen Fahrern schwer bis unmöglich, sich in diesem zu verstecken.

Die Splits der der ersten 3 Runden waren bei mir sehr konstant, wurden aber mit zunehmendem Wind und Ermüdung langsamer:Bike

Runde 1    0:51:54 h / 34,4 KM/h
Runde 2    0:50:59 h / 34,8 KM/h
Runde 3    0:50:46 h / 35,0 KM/h
Runde 4    0:52:16 h / 34,1 KM/h
Runde 5    0:53:36 h / 32,9 KM/h
Runde 6    0:56:57 h / 31,3 KM/h

In der letzten Runde ging mir offensichtlich der Sprit aus. Trotz erhöhter Anstrengung sank der Puls auf ø132 Schläge, während auf den Runden vorher zwischen 123 und 160 die gesamt Bandbreite und durchschnittlich über 140 Schläge drin waren. Genau das war mein Problem schon in Regensburg vor einem Jahr: Die zugeführte Energie wird vom Köper nicht mehr aufgenommen.

Wie dem aus sei: Nach mehr als zufrieden stellenden 05:25:47h (offizielle Zeit, inkl. Panne (verklemmte Kette in Runde 3) und pinkeln (Runde 5)) bzw.06:43:38h insgesamt erreichte ich als 14. meiner Altersklasse die 2. Wechselzone, die zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich aufgeräumt, will sagen: leer, aussah. Der Radsplit war die 15.-schnellste Zeit in der AK M 45.

Schon auf der letzten Radrunde machte mir mein Rücken arg zu schaffen. Immer wieder ging ich aus dem Sattel um den Rücken zu dehnen. In der Wechselzone ließ ich mir einmal mehr sehr viel Zeit und haderte hier mir meinem Schicksal. Ich wollte nicht mehr auf die Marathonstrecke, die ich dann nach 1:07 Minuten doch betrat.

Christine traf ich schon nach rund 100 Metern. Daumen hoch, nach außen gestellte Schau wider besseren Wissens.
Ich lief gemächlich hinter einem anderen Athleten hinterher. Ca. 5-er-Schnitt. Den hatte ich mir vorgenommen. Halten konnte ich ihn nicht, Schon bei der ersten Verpflegungsstelle nach 2 KM ging ich kurz, an der zweiten nach 4 KM blieb ich länger stehen.
Zu den Rückenschmerzen gesellte sich ein sehr unangenehmer und starker Druck in der Brust. Den kenne ich nur aus Langdistanzwettkämpfen, nicht aus dem Training. Aber Schlussendlich war es die Kombination aus beiden, die mich dazu bewegten, nach dem Empfang des ersten von 5 Rundenbändchen aufzugeben.

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