
28. Waldecker-Edersee-Triathlon, 18.06.2011
Nachdem ich im Vorjahr begeistert von diesem
Wettkampf zurückkam, habe ich mich bereits frühzeitig für die
diesjährige Veranstaltung angemeldet.
Was unterscheidet diesen Triathlon über die Olympische Distanz von
anderen in unserer Umgebung?
Zum einen wird in der
Edertalsperre geschwommen, die ich seit meiner Kindheit toll
finde ;-), ein Freiwasserschwimmen also, das ich persönlich jedem
Schwimmen im Becken vorziehe. Natürlich stehen hier auch die Chancen
höher, dass im Neoprenanzug geschwommen werden kann und darf -
wenngleich der Tümpel im letzten Jahr so warm war, dass ein
Neoverbot ausgesprochen wurde.
Die Radstrecke: Selektiv-bergig. Ich glaube nicht, dass die
Wettkampfrichter hier große Schwierigkeiten mit dem
Windschattenverbot haben Bereits nach wenigen Kilometern kommt ein
längerer Anstieg von 6-8%, der solche Felder auseinanderreißen
würde. Insgesamt summieren sich ca. 740HM auf den 44,5
Radkilometern.
Der anschließende 10-KM-Lauf auf einer Wendepunktstrecke wird
auf der
Website der Veranstalter
als "ohne nennenswerte Anstiege" beschrieben. Tatsächlich ist es für
uns Flachländler aber so, dass ca. 90 HM doch gut spürbar sind.
Die beiden Wechselzonen liegen ca. 2 KM auseinander, getrennt durch
eine Abfahrt hinunter zum Edersee mit 14% Gefälle. Die allerdings
sind nicht (direkt) wieder hochzufahren.
Nachdem wir 2010 tolles, heißes, fast zu heißes
Wetter hatten, freute ich mich seit langem auf eine Wiederholung -
wenn möglich diesmal ohne Neoverbot. Nach dem guten Radtraining und
verbesserten Läufen versprach ich mir ein noch besseres Resultat.
Stephan Kleinschmidt hatte sich noch kurzfristig angemeldet und sich
bei mir gemeldet, damit wir zusammen am Samstag Morgen nach Waldeck
fahren konnten. Die Wettervorhersage versprach alles - nur kein
"Reiner-Döpke-Wetter". Regen, starker Wind und kühle Temperaturen.
Ich hatte kein so großes Verlangen mehr noch an den Start zu gehen,
aber ich hatte Stephan ja zugesagt. So waren wir dann pünktlich um 8
Uhr auf der Piste und fuhren den Wolkenbrüchen entgegen, immer in
der Hoffnung, dass nach unserem Eintreffen kein Wasser mehr in den
Wolken sein würde...
Kurz vor der Autobahnausfahrt fiel mir dann ein, dass ich meine
Schwimmbrille nicht dabei hatte. Eigentlich ein No-Go. Ich trage
beim Triathlon (und beim Schwimmen allgemein) Kontaktlinsen - ganz
ohne stehe ich im dichten Nebel. Vermutlich würde ich die Linsen
irgendwann im Wasser verlieren. Ich baute meine Hoffnung darauf,
dass sich bei Sportveranstaltungen häufig die örtlichen Sportshops
präsentieren und gerade solche Dinge, die man gerne mal vergisst,
anbieten.
So gegen 10:00 Uhr trafen wir dann auch in Waldeck ein. Wolkiger
Himmel mit etwas Sonnenschein, kräftiger Süd-West-Wind und 17 Grad
waren nicht so übel.
Kurz die Startunterlagen abgeholt und festgestellt, dass es (Wie
sollte es anders sein) keinen Stand gab.
Ich beschloss, mit Linsen zu schwimmen - kam ich wenigstens
unbeschadet ins Wasser - und mich wie auch sonst immer, an den
Vorderleuten zu orientieren, was die Richtung angeht.
In der Wechselzone hinterlegt ich meine normale Brille, die ich dann
beim Rad fahren aufsetzen wollte. Eine Sonnenbrille im herkömmlichen
Sinne schien eh überflüssig zu sein.
Schon auf der rasanten 14-%igen Abfahrt zum Strandbad ließ uns der
Wind seine Kraft spüren. Noch beeindruckender war der Blick auf den
See. Der Wind verursachte trotz der umgebenden Wälder und Berge
ordentlich Wellengang und Strömung im See. Dummerweise blies er so
ungünstig, dass wir auf fast dem gesamten 1,5-KM-Kurs Gegenwind
hatten.
Als 5. Startgruppe kamen Stephan und ich um 11:35h ins Wasser. Schon
nach wenigen hundert Metern bekam ich Atemnot - mehr noch als in
Hannover vor zwei Wochen. Woran das liegt weiß ich nicht (Angst habe
ich auch im Freiwasser jedenfalls keine). Nach einigen Zügen in
Rücken und anschließend in Brustlage ging es etwas besser. Erst nach
der ersten Wendeboje ließ es gänzlich nach. Ab hier ging es dann so
richtig gegen die Wellen. Normalerweise schwimme ich immer einige
Züge "normalen" Kraul und dann ein oder zwei Züge
"Wasserball-Kraul", um mich an den nächsten Bojen oder Vorderleuten
zu orientieren. Heute schlugen mir oft die Wellen direkt ins Gesicht
bzw. in die Augen, die zu brennen anfinden. Ob ich noch
Kontaktlinsen an Bord hatte, wusste ich zu keinem Zeitpunkt.
Irgendwann erkannte ich, dass ich seit einiger Zeit recht neben
Stephan schwamm, der wie ich mit den Wellen kämpfte, und den ich als
besseren Schwimmer viel weiter vorne vermutet hatte. Ich nahm an,
dass er mit Brille wusste, wo es lang ging und orientierte mich an
ihm. So kamen wir zeitgleich nach 30 Minuten aus dem Wasser.
Eine grottenschlechte Zeit, selbst ohne Neo war ich im letzten Jahr
etwas schneller. Platz 25.
Ich musste feststellen, dass sich "lediglich eine der Linsen
entweder komplett verabschiedet oder hinter den Augapfel geschoben
hatte, um später wieder zum Vorschein zu kommen. Ich hoffte auf den
zweiten Fall und beschloss mit nur einer Linse loszufahren. Zur
Sicherheit, und um vorzubeugen, dass meine Sehbrille auf dem
Rücktransport versehentlich abhanden kommt, schob ich mir das Etui
in meinen Anzug.
Schon in der Wechselzone nahm mir Stephan sicher zwei Minuten ab. Es
dauert halt, bis ich mich aus meinem Fetischanzug geschält und meine
Socken angezogen habe...
Nach 3:34Minuten saß ich auf dem Büffel.
Es war nun heftig am Regnen und bei Gegenwind ging es auf den ersten
Kilometern flach am Edersee entlang. Dann lauerte nach eine
Linkskurve der erste ca, 1,5 KM lange Anstiegt mit 6-8 % Steigung.
Hier konnte ich dann einige andere Überholen. Meine Hoffnung,
Stephan zumindest noch in Sichtweite zu bekommen, sollte sich auf
der gesamten selektiven Radstrecke nicht erfüllen. 740 Höhenmeter
ergeben sich durch ein ständiges Auf und Ab, was den Kurs so
interessant macht. Einen gleichmäßigen Rhythmus findet man aber
selten. Der Wind kam dann doch irgendwie aus der richtigen Richtung,
d.h. er "schob" uns an manchen Stellen den Berg hoch.
Was mich unsicher macht, ist, dass sich mein Rad oft ziemlich
aufgeschaukelt hat und ich es kaum halten konnte. Dasselbe hatte ich
vor ein paar Wochen schon einmal auf einer Trainingsfahrt - danach
nicht mehr. Bis heute.
Die Laufräder scheinen keine größere Unwucht zu haben. Keine Ahnung,
woran das liegen kann.
Zurück in Wechselzone 2 war ich nach 1:27:56h Fahrzeit, als Stephan
vom Stadionsprecher genannt wurde, als er auf die Laufrunde ging.
55 Sekunden brauchte ich für den Wechsel und lag jetzt auf Platz 18.
Trotz meiner Einäugigkeit und den durch das Seewasser und den
Fahrtwind brennenden Augen konnte ich Stephan bei KM 1 ca. 500 Meter
vor mir sehen. er war also weiterhin gut 2 Minuten vor mir.
Der Lauf ging einigermaßen flüssig vonstatten, die KM-Abschnitte
lagen bei ca. 4:20 Minuten. Viel mehr konnte und wollte ich ich
nicht - schließlich sollte ich am Abend noch den
Firmenlauf in Borgholzhausen bestreiten. Vor dem Wendepunkt kam
mir Stephan entgegen. Ich hatte kaum Boden gutgemacht und sah keine
Möglichkeit, dass auf dem Rückweg nachzuholen.
Nach 2:45:27h kam ich als 18. / AK Pl. 8 ins Ziel, Stephan ist 14.
geworden.
Unmittelbar vor dem nächsten Wolkenbruch hatten wir unsere
Siebensachen wieder im Auto verstaut.
Ein schöner Tag!